Herculaneum

Herculaneum, berühmte Ruinenstadt unter dem Vulkan

Das antike Herculaneum (ital. Ercolano) lag am Golf von Neapel in Kampanien. Die einst wohlhabende Stadt ereilte am 24. August 79 n. Chr. eine furchtbare Katastrophe: Sie ging zusammen mit Pompeji, Oplontis und Stabiae bei gewaltigen Ausbruch des Vesuvs unter. Heute betrachtet man es als Glück im Unglück, dass viele Artefakte aus der zerstörten Stadt bei Ausgrabungen in gutem Zustand gesichert werden konnten. Die Gebäude, Kunstwerke und Alltagsgegenstände wurden durch die verheerenden Lavafluten über Jahrhunderte luftdicht konserviert und somit für die Nachwelt erhalten.

Die Ausgrabungsstätten von Herculaneum gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe Italiens und sind eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Kampanien und Italien.

Sie erfahren auf unserer Seite Interessantes über die Geschichte von Herculaneum, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten aus den Ausgrabungen sowie alles für die Reiseplanung wie Führungen, Tickets, Öffnungszeiten und Anreise.

Herculaneum Tickets und Besichtigungen – ohne Warten

Herculaneum ist einer der am besten erhaltenen antiken Ausgrabungsstätten der Welt. Die Anlage ist zwar kleiner als Pompeji, aber dafür in Teilen sogar noch besser erhalten. Hier bekommen Sie ein lebendiges Bild vom Leben in dieser römisch geprägten Zeit.

Rund 400.000 Touristen besichtigen jährlich den Archäologischen Park von Herculaneum. Der Andrang ist mitunter groß, sodass wir Ihnen empfehlen, vorab Tickets für Herculaneum bei unserem Reisepartner GetYourGuide zu buchen. Das erspart Ihnen das Anstehen.

Wenn Sie eine geführte Tour durch Herculaneum wählen, profitieren Sie außerdem von einem erfahrenen Guide, der Ihnen kurzweilig schildert, wie Herculaneum beim Ausbruch des Vesuvs 79 vernichtet wurde, um später als berühmter Ort seine Wiederauferstehung zu feiern.

Zur Übersicht aller Aktivitäten und Touren in Herculaneum

Hier eine kleine Auswahl:

Was ist bei einem Herculaneum-Rundgang zu sehen?

Die Stadt birgt viele Geheimnisse in ihren Ruinen. Bekommen Sie ein Gefühl für das tägliche Leben der Bürger, indem Sie die Überreste ihrer einst großartigen Stadt erkunden.

Zu den Höhepunkten der Touren gehören

  • das Forum mit den Thermalbädern,
  • das Haus mit dem Mosaik-Atrium,
  • das Haus der Hirsche,
  • der Tempel der Augustales,
  • das Gymnasium,
  • das Samnitische Haus und
  • das Haus von Neptun und Amphitrite mit dem Mosaik.

Sie werden großartige Gemälde, Keramiken, Skulpturen und Mosaike bewundern können, aber auch erschrecken, wenn Sie die Skelette der Katastrophen-Opfer beim Bootshaus entdecken.

Freuen Sie sich auf ein interessantes Erlebnis und bleibende Erinnerungen!

Wie lange dauert ein Rundgang durch Herculaneum?

Geführte Rundgänge dauern 2 Stunden, die Sie auch benötigen, wenn Sie Herculaneum auf eigene Faust erkunden. Sollten Sie ein tieferes Interesse für Archäologie oder Kunstgeschichte mitbringen, können Sie einen halben Tag einplanen.

Informationen zur Anreise und Öffnungszeiten finden Sie unten.

Geschichte von Herculaneum

Herculaneum - Ansicht
Ercolano ist einer der am besten erhaltenen antiken Ausgrabungsstätten der Welt.

Über die Geschichte der Stadt vor der römischen Zeit ist wenig bekannt. Der von der Mythologie inspirierte Name Herculaneum – nach Herkules – lässt vermuten, dass sie ursprünglich griechisch war, zumal sie in Schriften von Theophrastus im Jahr 314 v. Chr. unter ihrem griechischen Namen Heracleion erwähnt wurde.

Der Grundriss der Stadt, ein regelmäßiges Rechteck, deutet ebenfalls auf eine griechische Gründung hin. Herculaneum war einst von einer Mauer umgeben, die eine Fläche von etwa 20 Hektar umschloss. Es lag an der Küstenstraße, die entlang des Golfs von Neapolis nach Pompeji und Stabiae führte und später als Via Domitiana bekannt wurde.

Seit 307 v. Chr. stand Herkulaneum unter römischem Einfluss. Im Bundesgenossenkrieg wurde es 89 v. Chr. von Aufständischen um Papius Mutilus erobert, aber kurze Zeit später von einem Gesandten des römischen Feldherren Sullas fast widerstandslos eingenommen. Die Stadt wurde von nun an nach römischer Art verwaltet.

Als der Vesuv ausbrach und Herkulaneum zerstörte, lebten dort etwa 4.000 Menschen. Herculaneum war viel kleiner und unbedeutender als Pompeji. Die Hafenstadt betrieb nur wenig Seehandel. Der größte Teil der Wirtschaft bestand aus Fischerei, Landwirtschaft und Handwerk.

Die Qualität der Einrichtung der ausgegrabenen Häuser lässt aber darauf schließen, dass viele ihrer Bewohner wohlhabend waren. Da Herkulaneum außerdem einen atemberaubenden Blick auf den Golf von Neapel bot und seine Luft sauber war, wurde es in den Sommermonaten häufig als Urlaubsort gewählt. Wohlhabende Römer bauten sich dort prächtige Sommervillen. Am bekanntesten ist die Villa dei Papiri, in der sich die berühmte Bibliothek befindet, in der man gut erhaltene Papyrusrollen entdeckte.

Der Ausbruch des Vesuvs in Herculaneum

Herculaneum - Straße
Die Stadt birgt viele Geheimnisse in ihren Ruinen.

Die Bewohner Kampaniens ahnten nicht, dass der Vesuv im Jahr 79 ausbrechen würde. Laut der Briefe von Plinius dem Jüngeren nahm das Unglück am 24. August seinen Lauf. Heute wird darüber spekuliert, ob der Ausbruch tatsächlich zwei Monate später stattfand.

Jahrelang ruhte der Vesuv und wurde nicht einmal mehr als Vulkan wahrgenommen. Nur Strabon warnte vor den Parallelen zwischen dem Vesuv und dem Ätna. Selbst das Erdbeben im Jahr 62 sahen die Bürger nicht als Zeichen eines bevorstehenden Ausbruchs. Tatsächlich begann sich aber bereits zu diesem Zeitpunkt durch die Erschütterungen der harte Lava-Pfropfen zu lösen, der den Vulkan seit einem früheren Ausbruch verschloss.

Dank der Briefe des Plinius an Tacitus sowie der laufenden Ausgrabungen und geologischen Untersuchungen haben wir heute eine gute Vorstellung davon, wie sich der Ausbruch des Vesuvs abgespielt hat.

Am Vormittag des 24. August riss der Vulkanschlot durch den Druck des drängenden Gas-Magma-Gemisches auf, wodurch Asche und Lapilli in einer schnell auf 30 Kilometer Höhe wachsenden Eruptionssäule nach oben getragen wurden. Nachdem die Wolke die Tropopause erreicht hatte, flachte sie ab und nahm die Form einer Schirmpinie an. Die Hauptwindrichtung war Südost, so dass die vulkanischen Trümmer vor allem auf Pompeji und die umliegenden Dörfer fielen. Herkulaneum, das westlich des Vesuvs liegt, wurde in der ersten Phase des Ausbruchs nur wenig beschädigt.

Obwohl in Herculaneum nur wenige Zentimeter Asche fielen – im Gegensatz zu Pompeji, wo die Dächer der Häuser unter der Last der Bimssteine zusammenbrachen -, reichte es aus, dass viele Menschen flohen.

Lange Zeit ging man davon aus, dass fast alle Bewohner entkommen konnten, da in den ausgegrabenen Bereichen nur wenige Skelette gefunden wurden. Das Ausgrabungsgebiet wurde 1982 auf den antiken Strand von Herculaneum ausgedehnt und dabei ein Massengrab mit 300 dicht gedrängten Skeletten in zwölf Bootshäusern freigelegt. Es ist unklar, warum die Leute in den Bootshäusern sich nicht der allgemeinen Flucht angeschlossen hatten. Vielleicht erhofften sie sich einen Ausweg über das Meer und warteten auf die Schiffe Plinius des Älteren, der zur Rettung tatsächlich aufgebrochen war.

Allerdings waren Anomalien, die auf Alter, Behinderung oder Krankheit hinweisen, bei den gefundenen Skeletten häufiger als im Durchschnitt der Bevölkerung. Höchstwahrscheinlich konnten diese Menschen aus körperlichen Gründen nicht rechtzeitig mit dem Rest der Einwohner fliehen und versteckten sich in den Gewölben der Bootshäuser vor der Asche und den Lapilli.

Die Eruptionssäule erreichte in der Nacht die Stratosphäre, brach dann aber zusammen. Das herausgeschleuderte vulkanische Material fiel auf die Flanke des Vesuvs zurück. Ein pyroklastischer Strom, bestehend aus heißem Gas und geschmolzenem Gestein, schoss mit einer Temperatur von fast 500 Grad Celsius rasend schnell auf Herkulaneum zu. Durch seine Geschwindigkeit zwischen 100 und 300 km/h blieb den Menschen keine Chance auf ein Entkommen.

Die Einwohner, die sich noch in den Bootshäusern aufhielten, starben gegen 1 Uhr morgens sofort an einem Temperaturschock. Im Gegensatz dazu wurden die Gebäude von Herculaneum durch diesen ersten Strom kaum in Mitleidenschaft gezogen. Eine Stunde später schlug jedoch eine zweite Glutlawine mit noch größerer Intensität zu und traf die Häuser von Herculaneum.

In den frühen Morgenstunden strömte ein dritter Strom geschmolzener Lava in die Stadt, gefolgt von einem vierten. Das Material aus diesen letzten Strömen war dicht und zähflüssig und füllte die Gebäude bis zum Rand vollständig aus. Herculaneum war bald überall unter einer bis zu 25 Meter dicken vulkanischen Schicht begraben. Bei der Abkühlung verfestigte sich dieses Material zu einer dichten Tuffsteinmasse, welche die Stadt konservierte, so dass vieles aus Herkulaneum für die Nachwelt erhalten bliebt.

Der gute Erhaltungszustand der Gebäude und Gegenstände in Herculaneum ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Dächer nicht einstürzten, weil die Innenräume der Gebäude bereits mit vulkanischem Material gefüllt waren, bevor sie mit Asche bedeckt wurden. Außerdem hatte die Hitze des ersten pyroklastischen Stroms organische Materialien an der Oberfläche karbonisiert, ihnen also Wasser entzogen. Diese Verkohlung trug dazu bei, dass sie sich kaum weiter zersetzen konnten. Da es unter einer extrem dicken Tuffsteinschicht begraben lag, war Herkulaneum außerdem von der Luft abgeschottet, was ebenfalls zu seiner Erhaltung beitrug.

Die Wiederentdeckung und Ausgrabung Herculaneums

Herculaneum - Hafen
Viele Artefakte aus der zerstörten Stadt bei Ausgrabungen konnten in gutem Zustand gesichert werden und sind den Besuchern zugänglich.

Das genaue Wissen darüber, wo Herculaneum verschüttet worden war, ging vor Jahrhunderten verloren. Die Stadt Resina – heute bekannt als Ercolano – wurde im Mittelalter unbewusst auf einigen der Überreste Herculaneums errichtet. Im 16. Jahrhundert entdeckte man bereits einige Skulpturen und Inschriften. Alles änderte sich jedoch 1709, als ein Bauer beim Graben eines Brunnens die Teile des Theaters von Herculaneum fand.

Emmanuel Maurice de Lorraine, der spätere Herzog von Elbeuf, kaufte das Gelände. In den folgenden Monaten ließ er auf eigene Kosten Stollen erreichten und erste Ausgrabungen durchführen. Dabei wurden verschiedene Artefakte entdeckt, unter anderem neun Statuen. Darunter befanden sich die „Große Herkulanerin“ und die beiden „Kleinen Herkulanerinnen“, die Elbeuf dem Prinzen Eugen in Wien schenkte. Von dort gelangten sie später durch eine Erbschaft in die Dresdner Skulpturensammlung.

Ausgrabungen unter König Karl VII. im 18. Jahrhundert

Die Aufmerksamkeit und Begeisterung der Öffentlichkeit war geweckt. König Karl VII. veranlasste ab 1738 selbst Ausgrabungen, die von Zwangsarbeitern und Soldaten unter der Leitung des neapolitanischen Militärs durchgeführt wurden.

Am 11. Dezember wurde eine archäologische Inschrift entdeckt, die sich auf das „Theatrum Herculanense“ bezieht. Dieser Fund untermauert die Vermutung des Markgrafen Don Marcello Venuti, dass es eine verschüttete, unterirdischen Stadt geben muss. Sie begannen mit dem Abteufen von Schächten im Theater und an anderen Stellen bis auf das Niveau der antiken Straße.

Die Ausgrabungen waren letztlich so erfolgreich, dass der König 1740 in der Nähe von Resina einen Sommerpalast für sich und seine Familie errichten ließ. Die „Real Villa di Portici“ entstand auf dem Gelände des gleichnamigen Bauernhofes. Besonders wertvolle Fundstücke gelangten ab da in den königlichen Sommerpalast Portici, wo 1758 zum Erstaunen seiner Gäste das Museo Ercolanese gegründet wurde.

Villa dei Papiri

Besonders ergiebig waren die Ausgrabungen in einer Villa, die Arbeiter im Jahr 1750 beim Brunnenschachten entdeckten. In der großen Vorstadtvilla der Familie Pisoni fand man eine Menge hübscher Bronze- und Marmorstatuen, wie die zwei Ringer und den schlafenden Merkur. Die außergewöhnlichste Entdeckung im Jahr 1752 waren allerdings die verkohlten Papyrusrollen mit Werken des epikureischen Philosophen Filodemo da Gadara, die in der Bibliothek der Villa entdeckt wurden. Fortan wurde der Palast nur noch Villa dei Papiri genannt.

Die Goldene Meile

Nach der Ankunft der königlichen Familie in Portici beschlossen auch die übrigen Adelsfamilien aus der Hauptstadt, sich Sommerresidenzen in der Umgebung zuzulegen. Der Begriff „Goldene Meile“ wurde damals geprägt, um die vielen wunderschönen Bauwerke zwischen der Villa de Bisogno in Resina und dem Palazzo Vallelonga in Torre del Greco zu beschreiben.

Mit dem Bau des Portici-Palastes und der Villen an der Goldenen Meile wurde die Stadt zu einem Zentrum für Künstler und kreative Köpfe. Die Residenzen erlangten durch ihre regelmäßigen Kultursalons Berühmtheit.

Als 1765 Gas in die Stollen eindrang, wurden die Ausgrabungsarbeiten zwangsläufig eingestellt und die Zugänge verschlossen.

Fortsetzung der Ausgrabungen im 19. Jahrhundert

Nach einer jahrelangen Unterbrechung wurde die Arbeiten 1828 unter Franz I. von Bourbon wieder aufgenommen. Der Architekt Carlo Bonucci leitete die Ausgrabungen, die dieses Mal im Tagebau stattfanden.

Der italienische König Viktor Emanuel II unterstützte die Ausgrabungen in Herculaneum von 1869 bis 1875. Mit großem Aufwand wurde in diesen Jahren in einem kleinen Teil des Grabungsgebietes die gesamte vulkanische Deckschicht abgetragen. Dennoch konnten nur die Insulae II und VII freigelegt werden.

Archäologie in Herculaneum ab dem 20. Jahrhundert

Nachdem weitere Ausgrabungen der Stätte zunächst an den hohen Kosten scheiterten, wurden Anfang des 20. Jahrhunderts neue Versuche unternommen. Amedeo Maiuri leitete ab 1924 ein erfolgreiches archäologisches Team. Seitdem wird – mit wenigen Unterbrechungen – dort fortlaufend gegraben und geforscht.

Allerdings gab es bei den Ausgrabungsarbeiten in Herculaneum immer wieder Schwierigkeiten. Unter Maiuri war eine Fläche von neun Hektar enteignet worden, die sich an der Grenze zum modernen Ercolao befindet. Viele neuzeitliche Häuser stehen immer noch über den Ruinen von Herculaneum, was die Ausgrabungen nicht einfacher macht.

Neue Funde von Skeletten im 20. Jahrhundert

Unter der Leitung der amerikanischen Archäologin Sara C. Bisel wurde zwischen 1982 und 1988 das Gebiet um den alten Hafen und den Strand ausgegraben. Dabei fand man über 300 Skelette in den Bootshäusern, die eine detaillierte Analyse der Bevölkerung der Stadt zum Zeitpunkt ihres Untergangs ermöglichten. Die Überraschung der Forscher war groß, da man bis dahin annahm, dass sich der Großteil der Bevölkerung retten konnte.

Zwei maskierte und bewaffnete Diebe drangen 1990 in den Raum in ein, in dem unschätzbare Artefakte aus Herkulaneum aufbewahrt wurden. Sie fesselten die 6 Wachen und raubten 250 wertvolle Fundstücke wie Edelsteine, Münzen und kleine Skulpturen, die seitdem verschwunden sind.

Von 1996 bis 1998 haben Archäologen bisher unbekannte Untergeschosse der Villa dei Papiri offengelegt.

Die Ausgrabungen von Herculaneum wurden 1997 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Der Vesuv und die Goldene Meile wiederum gehören seitdem zum weltweiten UNESCO-Netzwerk von Biosphärenreservate, dem UNESCO-Programm Mensch und Biosphäre.

Das MAV, das virtuelle archäologische Museum, öffnete 2008 seine Pforten für Besucher.

2021 wurde man erneut beim Bootshaus fündig: Archäologen entdeckten das Skelett eines 40 bis 45-Jährigen Mannes. Sein Kopf zeigte in Richtung des Meeres. Vielleicht hatte er sich von der Gruppe getrennt, um aufs Meer zu fliehen oder die Helfer von Plinius Flotte zu empfangen. Noch gibt es viele Rätsel um den Ausbruch des Vesuv 79, die die Wissenschaftler unter anderem mit Hilfe der Untersuchung seines Skelettes lösen wollen.

Die besten Funde und Sehenswürdigkeiten in Herkulaneum

Herculaneum - Mosaik
Die Kunstwerke im Herculaneum wurden durch die verheerenden Lavafluten über Jahrhunderte luftdicht konserviert und somit für die Nachwelt erhalten.

Neben vielen privaten Häusern, die freigelegt wurden, sind auch einige öffentliche Gebäude und Villen vor den Stadttoren gut erhalten. Ein Teil des Forums, etliche Tempel und die Nekropolen liegen immer noch unter modernen Wohnhäusern begraben. Dennoch können wir heute in Küstennähe vieles besichtigen.

Das Wohnen im antiken Herculaneum

Die rechteckig angelegten Wohnblöcke (insulae) mit ebensolchen Grundstücken ermöglichen einen umfangreichen Einblick in das Alltagsleben der Menschen während der römischen Zeit. Die Straßen waren gepflegt, die oft zweistöckigen Häuser hatten offene Fassaden mit monumentalen Türen und hohen Fenstern, die für Außenstehende unzugänglich waren. Durch den Einbau von Oberlichtern und kleinen Höfen erhielten die Innenräume dieser Häuser nur wenig direktes Sonnenlicht. Doch es gab oft dekorative Elemente, auch luxuriöse Ausstattungen und gelegentlich sogar Springbrunnen.

Das Stadtzentrum

Im Zentrum des antiken Herculaneum befinden sich die öffentlichen Gebäude, in denen sich die Menschen versammelten, wie das überdachte Forum und die Basilika oder das Theater. Allerdings wurde noch kein klassischer Tempel gefunden, der den Menschen den Schutz eines Gottes bot, sondern lediglich eine Kapelle in Insel VI.

Das Forum

Die Hauptstraße Decumanus maximus führt zum Forum im Stadtzentrum. Ein großer Bogen trennte damals den Handelsbereich von dem Teil des Forums, der den bürgerlichen Aktivitäten gewidmet war. Dieser Bogen war mit Marmor und Stuck verkleidet und mit Statuen geschmückt.

Der westliche Bereich des Forums, der für den Handel bestimmt war, ist anders gestaltet. Auf der einen Seite befinden sich die Eingänge zu den Häusern und Geschäften der Insulae VI und V. Auf der andere Seite reihen sich Geschäfte. Das sind zweistöckige Häuser, bestehend aus Läden mit Mietwohnungen darüber.

Theater

Das Römische Theater von Herculaneum wurde durch Zufall vom Grafen von Elbeuf gefunden und ausgegraben. Die Architektur des Theaters und die zahlreichen geborgenen Statuen wurden schon zwischen 1738 bis 1777 gesichert. Das Theater kann nicht an allen Tagen besichtigt werden. Gelegentlich wird es samstags geöffnet. (Ohne Gewähr!)

Basilika

Die Basilika von Noniana in Cardo III. ist größtenteils immer noch verschüttet, wurde aber mit Hilfe von Stollen zwischen 1739 bis 1761 von den Bourbonen und in den 1960er Jahren durch einige kleine Ausgrabungen erforscht.

Das Gebäudes ist jedoch aufgrund der Einsturz- und Verletzungsgefahr noch unzugänglich. Es ist ein langer rechteckiger Raum von etwa 40 Metern Länge, der durch fünf Türen, die von einem Säulengang überragt werden, auf die Straße führt.

Die städtischen Thermen

Die nebeneinanderliegenden Bäder für Männer und Frauen sind noch erstaunlich gut erhalten. Das Wasser wurde aus einem 8,25 m tiefen Brunnen entnommen und in einem großen Ofen erhitzt, bevor es durch zahlreiche Rohre gepumpt wurde, die nicht nur die Bäder versorgten, sondern auch als Zentralheizung für die Anlage dienten.

Haus von Neptun und Amphitrite

Die Besichtigung dieses Gebäudes lohnt sich allein schon wegen der bemerkenswerten Mosaike, insbesondere dem des Neptun und der Amphitrite (Meeresgöttin und Gattin des Poseidon).

Gymnasium

Diese weitläufige Anlage dominiert den südöstlichen Teil des Ausgrabungsgeländes und befindet sich auf dem Weg zum Kassenhäuschen auf der rechten Seite.

Villa der Papiri

Das Gelände der prächtigen Villa erstreckte sich früher auf vier Ebenen bis hinunter zur Küste. Sie befindet sich außerhalb der Mauern Herculaneums. Die Villa enthielt eine schöne Bibliothek mit Papyrus-Schriftrollen, und obwohl diese stark verkohlt waren, besteht die Hoffnung, dass die moderne Technologie das Lesen bald ermöglichen wird.

Meist ist die Villa für Besucher geschlossen.

Haus der Hirsche – Casa dei Cervi

Im Süden der Stadt steht ein aristokratisches Haus aus der Zeit Neros. Seine Wände sind mit lebhaften Wandmalereien und kunstvollen Skulpturen geschmückt. Es erhielt seinen Namen durch die berühmte Hirschskulptur mit den reißenden Hunden.

Samnitisches Haus – Casa Samnitica

Das Samnitische Haus ist eines der ältesten Gebäude, die ausgegraben wurden. Vermutlich wurde das Obergeschoss gelegentlich vermietet. Ein weitläufiges und geschmackvoll verziertes Atrium ist erhalten geblieben, das von einigen kleinen Räumen umgeben ist.

Haus der Augustalen – Sede degli Augustali

Nach der Erhebung des Augustus in den göttlichen Stand wurde 14 n. Chr. von seinen Nachfolgern ein aus 21 Priestern bestehendes Kollegium ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe war es, Augustus durch religiöse Zeremonien zu ehren. Das Sacellum des Augustales besteht aus einem großen, gut dekorierten, überdachten Raum.

Die Insulae und ihre Gebäude

Die Wohnblöcke und Gebäude verteilen sich wie folgt auf das Gebiet der antiken Stadt:

Die Insulae im Zentrum

Insula VIl

  • Galba-Haus

Insula VI

  • Städtische Thermalbäder
  • Männerabteilung
  • Frauenabteilung
  • Technische Räume
  • Sacellum des Augustales
  • Haus mit der toskanischen Kolonnade
  • aus mit zwei Vorhöfen
  • Haus mit dem schwarzen Wohnzimmer

Insula V

  • Zweihundertjähriges Haus
  • Haus der Belle Cour
  • Haus von Neptun und Amphitrit und sein Geschäft
  • Möbelhaus
  • Webstuhlhaus
  • Samnitisches Haus
  • Haus des Großen Portals
  • Hölzerne Aedikelhaus
  •  Korinthisches Atriumhaus

Insula orientalis II -Grande Palestre

  • Zeugnis für städtebauliche Innovationen
  • Bäckerei und Geschäfte
  • Palästra

Die Insulae Richtung Küste

Insula II

  • Aristides Haus
  • Haus des Argus
  • Haus des Geistes

Insula III

  • Skeletthaus
  • Haus mit der Holztrennwand
  • Haus im Opus Craticium
  • Das Haus von Hermes in Bronze
  • Auberge-Haus

Insula IV

  • Nischenhaus
  • Mosaik-Atrium-Haus
  • Hirschhaus

Insula orientalis I.

  • Telephos- Hilfshaus
  • Haus des Edelsteins

Bauten außerhalb der Stadtmauern

  • Meerestor und das heilige Gebiet
  • Vorstädtische Thermalbäder
  • Villa der Papiri

Die Graffiti

Vor zweitausend Jahren schrieben die Herculaneer Graffiti an die Wände ihrer Häuser, um sich etwas mitzuteilen. Einige dieser Schriften sind heute noch zu sehen. Sogar verkohlte Lebensmittel wie Brot, Getreide und Eierschalen haben in den Küchen die Zeiten überdauert.

Karte von Herculaneum

Eine Karte zum Download finden Sie auf beniculturali.it

Individuelle Anreise und geführte Bustouren nach Herculaneum

Bustouren

Es gibt geführte Bustouren zum Beispiel ab Neapel oder Sorrent, die meist mehrere Ausflugsziele wie Herculaneum, Pompeji und den Vesuv miteinander verbinden.

Bei unserem Reisepartner GetYourGuide können Sie die Bustouren buchen.

Bahn

Mit den Circumvesuviana-Zügen benötigen Sie ca. 25 Minuten von Neapel aus und 40 Minuten von Sorrento, um dorthin zu gelangen. Steigen Sie an der Station Ercolano Scavi aus. Nach rund 800 Meter Fußweg haben Sie Herculaneum erreicht.

PKW

Mit dem PKW nehmen Sie die Autostrada A3 von Neapel nach Salerno um nach Herculaneum zu kommen. Es gibt einen Parkplatz hinter der Polizeistation, eine Tiefgarage in der Nähe eines neuen Eingangs zu Herculaneum und einen kostenlosen Parkplatz am Corso Resina, 500 m vom Eingang der Ausgrabungen entfernt.

Adresse: Herculaneum, Corso Resina, 187, 80056 Ercolano NA, Italien

Herculaneum Öffnungszeiten

April bis Oktober 9:00-19.30 Uhr, letzter Einlass 18:00 Uhr

November bis März 9:00-17.00, letzter Einlass 15:30 Uhr

Ohne Gewähr!

Weitere Ausflugsziele rund um die Archäologie in Kampanien

MAV – Virtual Archaeological Museum

Versetzen Sie sich in die Vergangenheit und erkunden Sie die Städte Herculaneum und Pompei in einem unterhaltsamen, interaktiven Museumserlebnis! Dabei besuchen Sie sogar öffentliche Bäder und das Bordell!

Adresse: MAV – Virtual Archaeological Museum, Via IV Novembre, 44, 80056 Ercolano NA

Tickets: www.museomav.it

Archäologisches Nationalmuseum in Neapel

Das Archäologische Nationalmuseum in Neapel beherbergt heute den Großteil der antiken Kunstwerke, die in Herculaneum ausgegraben wurden. Einige der beeindruckendsten Kunstwerke sind die Fresken und 70 große Skulpturen aus Bronze. Diese Stücke wurden an verschiedenen Ausgrabungsstätten gefunden, auch in der wegen der Papyrusfunde berühmten Villa dei Papiri.

Tickets für das Archäologische Nationalmuseum in Neapel

Informationen zum Archäologischen Nationalmuseum Neapel

Adresse: Museo archeologico nazionale di Napoli – MANN, Piazza Museo, 19, 80135 Napoli NA

Archäologischer Park Pompeji

Knapp 20 Minuten Autofahrt von Herculaneum liegen die noch größeren Ausgrabungsstätten des ebenfalls verschütteten Pompeji. Es lohnt sich beide anzuschauen.

Tickets für Pompeji

Informationen über Pompeji

Adresse: Via Villa dei Misteri, 2, 80045 Pompei NA

Naturschutzgebiet Vesuv

Busse fahren morgens vom Bahnhof Circumvesuviana zum Naturschutzgebiet Vesuv. Nehmen Sie an einer geführten Tour teil, um den Krater zu erkunden und seine atemberaubende Schönheit zu erleben.

Tickets für Vesuv-Touren

Unser Reisetipp

Wenn Sie auf der Suche nach einem interessanten archäologischen Ziel in Kampanien sind, ist Herculaneum eine gute Wahl. Sie können die Ausgrabungsstätte auf eigene Faust besichtigen oder an einer geführten Tour teilnehmen, um mehr zu erfahren. In der Region gibt es noch weitere archäologische Ziele, die einen Besuch wert sind, wie zum Beispiel Pompeji und das Naturreservat Vesuv.

 

Fotos:

Ercolano, Jerónimo Roure Pérez, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Ansicht von Ercolano, Jerónimo Roure Pérez, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Straße in Ercolano, Mentnafunangann Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Besucher in Ercolano, SarahhoaHafen 3, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons
Mosaik in Ercolano, Graham-H, Pixabay