Santa Maria di Collemaggio

Santa Maria di Collemaggio, ein heiliges Schmuckkästchen in L’Aquila

Die Basilika Santa Maria di Collemaggio ist eine der schönsten und bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von L’Aquila. Sie liegt in Collemaggio, einem kleinen Vorgebirge vor den Mauern von L’Aquila. Die Basilica minor wurde durch Erdbeben im Laufe der Jahrhunderte mehrfach beschädigt, wodurch sich ein gewisser Stilmix in ihrer Architektur und Ausstattung ergibt, bei dem die ursprünglichen Elemente aus der Romanik und Frühgotik dominieren. Vor allem die Fassade zieht alle Blicke auf sich. Sie wirkt mit ihren roten und weißen Steinen wie ein Schmuckkästchen. Die Kirche am südöstlichen Stadtrand ist von einem schönen Park umgeben.

In der Kirche befindet sich das Grab von Papst Coelestin V., der sie einst selbst gründete. Das Gebäude der ehemalige Hauptkirche der Coelestiner Religionsgemeinschaft wurde vordem als Kloster genutzt. Davon kann man heute noch den Kreuzgang und Reste des Refektoriums besichtigen.

Geschichte der Kirche

Santa Maria di Collemaggio - Fresko
Im Inneren sind schöne Fresken zu bewundern.

Hinter der 1274 gegründeten Kirche verbirgt sich eine interessante Geschichte, die eng mit dem Einsiedlermönch Pietro del Murrone verbunden ist, der über sechs Jahrzehnte abgeschieden von der Welt in der Einsiedelei von Sant’Onofrio al Morrone lebte. Der Gründer des Cölestinerordens übernachtete auf seinem Rückweg vom Konzil in Lyon vermutlich in der damaligen Kirche Santa Maria dell’Assumption im Collemaggio-Gebiet der Abruzzen. Da erschien ihm im Traum die Heilige Maria und bat darum, ihr zu Ehren eine Kirche zu bauen. Pietro kaufte mit seinen Mönchen 1287 das Grundstück und begann im Jahr darauf mit dem Kirchenbau, der 1289 abgeschlossen wurde.

Vom Einsiedlermönch zum Papst

Völlig überraschend wurde Pietro am 5. Juli 1294 zum Papst gewählt, wobei König Karl II. von Anjou und Kardinal Latino Malabranca ihren Einfluss für den Kompromisskandidaten geltend gemacht hatten. Pietro zögerte und wollte das Amt gar nicht annehmen, ließ sich aber aus Pflichtbewusstsein umstimmen.  Am 29. August 1294 wurde der Mönch Pietro del Murrone in der Basilika Santa Maria di Collemaggio zum Papst gekrönt und trug fortan den Namen Coelestin V. Zu dieser Zeit eilte ihm bereits der Ruf eines lebenden Heiligen voraus.

Diese neue religiöse Kirche wurde im Zuge dessen von ihm mit dem Ablassprivileg ausgestattet. Es besagte, dass alle Gläubigen, die in der Kirche alljährlich am 28. und 29. August nach Empfang des Bußsakraments beteten und die Kommunion empfingen, einen vollkommenen Ablass (Bulle Inter sanctorum solemnia) erhalten sollten.

Die Abdankung

Nach Rom kam der neue Papst nie. Dafür sorgte Karl II, der ihn und die Kurie mit zu seinem Sitz nach Neapel beorderte, um direkt Einfluss nehmen zu können.

Dem früheren Einsiedler waren die Ränkespiele des Königs und der Kardinäle völlig fremd. Er zeigte sich bald überfordert mit der Führung der großen Religionsgemeinschaft und sein hohes Alter forderte zusätzlich körperlich seinen Tribut. Coelestin V. hatte nur noch den Wunsch, in sein einfaches Leben als Einsiedlermönch zurückzukehren. Doch dieser Wunsch stieß sowohl in der Kirche als auch beim Volk zunächst auf Ablehnung.

Erst nach einer Intrige seines Beraters Kardinal Benedetto Caetani, der selbst Papst werden wollte und ihm tatsächlich im Amt folgte, gab Coelestin V. die päpstlichen Insignien zurück und trat wenige Monate nach seiner Ernennung zum Papst zurück. Die Abdankung war bis dahin ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der katholischen Kirche.

Nach seiner Abdankung wollte ihn der neue Papst festsetzen lassen, um eine Spaltung der Kirche zu vermeiden. Doch Pietro konnte fliehen, wurde dann aber seinem Versuch Italien zu verlassen schließlich doch gefangen genommen und in der Festung von Fumone in der päpstlichen Provinz Campagna und Marittima eingesperrt. Er starb dort am 19. Mai 1296. Zunächst wurde er in der Zölestinerabtei in der Nähe von Ferentino beigesetzt und später in Santa Maria di Collemaggio zur letzten Ruhe gebettet.

Die Santa Maria di Collemaggio-Kirche wurde ein beliebtes Ziel für Pilger, vor allem, nachdem Pietro im Jahr 1313 heiliggesprochen worden war.

Santa Maria di Collemaggio in der Neuzeit

Santa Maria di Collemaggio
Die Basilika Santa Maria di Collemaggio ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Region.

In neuerer Zeit wurde die Kirche bei dem Erdbeben von L’Aquila 2009 schwer beschädigt, wobei die Vierung und ein Teil der Apsis eingestürzt sind. Die wertvolle Orgel der Kirche aus dem 17. Jahrhundert wurde ebenfalls zerstört. Inmitten der Trümmer fanden die Arbeiter aber den unbeschädigten gläsernen Reliquienschrein mit den Gebeinen des früheren Papstes Coelestin V.

Kurz nach der Naturkatastrophe legte Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in der Kirche am 28. April sein Pallium an der Reliquie von Coelestin V. ab. Der Schrein wurde dann in die Krypta der Kathedrale von Sulmona gebracht, die sich in der Nähe des Ortes befindet, an dem der Heilige Coelestin Jahre als Einsiedler gelebt hatte. Seine sterblichen Überreste wurden am 5. Mai 2013 wieder zurück in die Santa Maria Collemaggio überführt, und Papst Franziskus verehrte sie bei seinem Besuch am 28. August 2022 vor Ort.

Allein die Ehrbezeigungen der beiden Päpste zeigt den hohen Stellenwert, den Coelestin V. und seine Basilika Santa Maria di Collemaggio in der katholischen Kirche Italiens inzwischen genießen. Trotz seiner Abdankung gilt sein frommes, von weltlichen Genüssen und Machtstreben fernes Leben als vorbildlich.

Wer in L’Aquila weilt, sollte das architektonisch und historisch interessante Meisterwerk einer Kirche unbedingt besuchen. Die Basilika ist in ihrer Art einmalig und gehört zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Abruzzen.

Adresse: Santa Maria Collemaggio, Piazzale Collemaggio, 5, 67100 L’Aquila AQ, Italien

Foto:

Santa Maria di Collemaggio, Albrizio Iolanda Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Fresko in der Kirche, Archivio fotografico Abruzzo medievale. Dipartimento di Lettere, Arti e Scienze Sociali (DiLASS). Università degli Studi „G. D’Annunzio“ di Chieti-Pescara, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Santa Maria di Collemaggio, Albrizio IolandaEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons